Ich bin halt gerne unterwegs

Jenny I., 24, ist stark sehbehindert. Nach eineinhalb Jahren im Mobile hat sie eine eigene Wohnung bezogen.

Während der Ausbildung zur Floristin wurde bei Jenny I. die Netzhauterkrankung Retinitis pigmentosa diagnostiziert. Heute ist ihr Gesichtsfeld stark eingeschränkt, und sie kann nur noch Schatten und Umrisse erkennen. Statt den gelernten Beruf ausüben zu können, fand Jenny I. zunächst bei der Stiftung Altried in Dübendorf Arbeit. Aufgrund der zunehmenden Sehbehinderung wechselte sie danach zur Stiftung Züriwerk, wo sie ihre Kreativität im kunsthandwerklichen Atelier einsetzt.

Neben den Lebenspraktischen Fähigkeiten zur Haushaltsführung war für Jenny I. im Mobile das Training von sicherer Orientierung und möglichst hoher Mobilität besonders wichtig. «Ich bin gern und viel unterwegs», erzählt sie: um ihre Eltern zu besuchen, mal eine Freundin zu treffen oder ihren Freizeitsport Nordic Walking auszuüben. Und natürlich will sie auch den Weg zur Arbeit selbständig und stressfrei bewältigen. Der Unterricht in Orientierung und Mobilität mit Mobile-Lehrerin Chantal Moor hat Jenny I. viel gebracht. «Ich fühle mich sicherer», erzählt sie, «und getraue mich auch bei Dunkelheit wieder nach draussen.» Wegen ihrer Nachtblindheit fällt ihr die Orientierung bei schlechten Lichtverhältnissen besonders schwer.

Eine spezielle Herausforderung ist jeweils auch das Reisen mit dem öffentlichen Verkehr. Ihre häufigsten Routen hat Jenny I. sozusagen auswendig gelernt. Die im Training erworbenen Fertigkeiten helfen der jungen Frau heute auch, sich in neuen Umgebungen zurechtzufinden. «Ausserdem bin ich ein offener Mensch», lächelt sie, «ich getrau mich schon, jemanden um Auskunft zu bitten.»